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Projekt1310



Ein alter Dacia gegen Verschwendung und Wegwerfwahn

- und für eine neue Lebenseinstellung



Das Auto



Dacia 1310 tx

Ein paar Fakten zu unserem Projektauto:



Modell: Dacia 1310 tx


Baujahr: 1985


Leistung: 40 KW / 54 Ps


Max. Drehmoment: 96 Nm bei 3300 u/min


Hubraum: 1289 ccm


Getriebe: 4-Gang Handschaltung


Leergewicht: 910 Kg


Abmessungen (l x b x h): 4348 x 1636 x 1355 mm






Der Hintergrund


Über das Projekt1310


Der blaue Lack ist längst verblasst; die Karosserie gezeichnet von Dellen und Kratzern. Verchromte Türgriffe öffnen die Pforte in eine andere, viel beschaulichere Welt: In einen Fahrgastraum, so spartanisch – und doch gleichsam optisch verspielt, wie es heute längst nicht mehr denkbar ist.


Das Auto - ein Dacia 1310 tx, Baujahr 1985; dreißig Jahre ist er alt. Seinen aktiven Einsatz im Personentransport – er war jahrzehntelang im ungarischen Sopron unterwegs – hat dieser Wagen längst hinter sich … heute dient er als Kunstprojekt: Als fahrendes Aushängeschild für die Philosophie eines Freizeitpioniers.


Ein Freizeitpionier? Das ist jemand, der seine eigenen Träume lebt, anstatt sie gesellschaftlichen Wertvorstellungen unterzuordnen; jemand, der sich durch das definiert, was er erlebt und empfunden hat – und nicht durch das, was er geleistet hat; und jemand, der sinnvoll mit seinen Kapazitäten umzugehen weiß.


So wird ein Freizeitpionier diesen alten Wagen nicht belächeln; er wird viel mehr darin sehen als einen Haufen Altmetall: Denn jemand der sich darauf besonnen hat vorhandene Kapazitäten zu nutzen, anstatt sie zu verschwenden und diese Verschwendungssucht teuer zu bezahlen, wird nichts verschmähen, das ihm Nutzen bringen kann.


Und dieses automobile Relikt aus dem Kalten Krieg ist dazu in der Lage einen Zweck zu erfüllen, von dem sich selbst der teuerste Neuwagen nicht lösen kann: Dieser Dacia fährt – und kann seinen Besitzer damit theoretisch ebenso an seine Ziele bringen; und das in Summe wesentlich günstiger als ein neues Auto.


Günstig – ein Wort, das manchem Zeitgenossen sauer aufstößt: Günstig, als Synonym für „nicht gut genug“ oder „nicht standesgemäß“; manch einer vertritt die Ansicht, dass Sparsamkeit generell falsch ist: Dass es stets der bessere Weg ist mehr zu arbeiten und mehr zu schaffen, um – oft vollkommen unnötig – auf jedem Gebiet das erreichbare Optimum zu haben, anstatt einfach etwas bereits Vorhandenes zu nutzen.


Tatsächlich ist Sparsamkeit – auch für Freizeitpioniere – längst nicht immer sinnvoll; jedenfalls nicht bei den wirklich essentiellen Dingen im Leben – dort zählt letztendlich nicht die Effizienz, sondern die Effektivität.


Und ein Freizeitpionier versteht es seine Kapazitäten effizient zu nutzen, um bei den wesentlichen Dingen im Leben Effektivität zu erzielen; sein Fokus liegt auf seinen eigentlichen Träumen – und nicht auf unwichtigen Beiläufigkeiten, die nur unnötig Kapazitäten verschlingen … denn das Schaffen von Kapazitäten bedeutet wiederum Ressourcen, die erst einmal aufgewendet werden müssen.


Und genau diesen Gedanken, vorhandene Kapazitäten zu nutzen – anstatt in einen unersättlichen Investitionsstrudel zu geraten, repräsentiert auch dieser Wagen: Er steht für eine vorhandene Kapazität, die genutzt werden kann … deren Nutzung –und das ist nun der wesentliche Punkt – in unserer Gesellschaft allerdings praktisch undenkbar ist … was damit einhergeht, dass vermehrt Ressourcen (sprich: Arbeit, Zeit, Geld) aufgewendet werden müssen, um „gesellschaftskonforme“ Kapazitäten (sprich: Ein neues Auto) anzuschaffen.


Dieser alte Dacia protestiert also gegen den gesellschaftlichen Zwang, vorhandene Kapazitäten (wie z.B. noch durchaus funktionstüchtige Maschinen) zu vergeuden und damit das Leben in Bereichen (Arbeit, Lebenserhaltung) zu verkomplizieren … in Sachen, die genau genommen von den wirklich wichtigen Bereichen des Lebens (Selbstverwirklichung, das Ausleben der eigenen Träume) ablenken.


Und tatsächlich – in Österreich, im Jahr 2015, ist es wirklich schon schwer vorstellbar, einen 30 Jahre alten Wagen zu fahren: Für die jährlich fällige Begutachtung reicht es schon längst nicht mehr aus, dass sicherheitsrelevante Teile funktionieren … etwas Patina auf den Bremsleitungen – schwerer Mangel; unterschiedlich intensiv leuchtende Birnen im Tachoinstrument – schwerer Mangel … und so weiter.


Ja – es braucht heute nicht mehr viel, damit ein Auto als „schrottreif“ gilt … was ganz im Sinne von Regierung und Wirtschaft ist: Wenn alle paar Jahre ein neuer Leasingvertrag unterschrieben wird, bringt das Steuern und Umsätze – und der Neuwagen-Abstotterer wird als Draufgabe brav im Tätigkeits-Taumel gehalten.


Aber nicht nur die Politik macht es zusehends schwerer, alte Autos weiter zu nutzen: Auch viele Zeitgenossen geben nur allzu gerne herabwertende Kommentare ab, gegenüber von Menschen, die einen alten Wagen (oder generell alte, bereits überholte Dinge) nutzen.


„Mit so etwas kann man ja nicht mehr herumfahren!“,

„Solche Schrotthaufen haben auf der Straße nichts mehr verloren!“,

„In den Kübel würde ich nicht einsteigen“,

„Ich würde mich schämen sowas zu fahren!“


Das sind nur einige wenige verbale Beispiele dafür, wie das Spießertum den Konsum steigern kann … und gleichermaßen auch den Stresspegel, den es mit sich bringt die Summen zu verdienen, die notwendig sind, um „standesgemäß“ mit den anderen mithalten zu können.


Für Freizeitpioniere ist dieses Gehabe nichts … sie brauchen ihre Autos nicht, um es anderen damit rechtzumachen; viel lieber fahren sie entspannt auf Reisen: Mit ihren von der Spießergesellschaft längst ausrangierten, abgenutzten Gefährten – sie nutzen ihre Kapazitäten effizient zu effektiven Zwecken und geben sich dabei intensiv den Freuden des Lebens hin; während andere in „ihren“ neuen SUVs in die Arbeit hetzen – und kaum eine andere Realität als den grauen Arbeits-Alltag kennen.


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